Wettbewerbsdruck verlangt von Ärzten mehr als fachliche Qualifikationen
Die wettbewerbsfreie Zeit ist für Ärzte endgültig vorbei. Niedergelassene Ärzte sind durch neue Regelungen zum Qualitätsmanagement in ihrer Praxis verpflichtet. Und auch durch Onlinebewertungsportale steigt der Konkurrenz- und Kompetenzdruck.
So dringen die in anderen Wirtschaftszweigen längst etablierten Marketing-Strategien in die Praxen vor. Die einst konkurrenzlose Zone wandelt sich in einen Markt. Vor zehn Jahren noch durften Ärzte außerhalb ihrer Praxis nicht kommunizieren, in welchen Teilgebieten sie sich fortgebildet haben. Das Verbot ist längst überholt. Qualitätsmanagement wird für Humanmediziner in diesem Jahr zur Pflicht, Zahnärzte haben noch bis Ende 2010 Zeit. Bei vielen Ärzten dient dieses Siegel inzwischen als Güteausweis gegenüber den Patienten.
Das Gros des ärztlichen Einkommens stammt mittlerweile nicht mehr einzig aus den Kassen der Gesetzlichen Krankenversicherung. Heute müssen Ärzte ihr Einkommen zu wesentlichen Teilen außerhalb der Mittel der Gesetzlichen Krankenversicherung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen erwirtschaften. Rund 35 Prozent des Ertrags, bei Zahnärzte sogar weit über 50%, stammen insbesondere aus Selbstzahlerleistungen sowie den Rechnungen an die Privatpatienten - und hier entscheiden und zahlen die Patienten selbst, wie in normalen Wettbewerbsmärkten.
Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigungen fällt 2011
Einst verteilten die Kassenärztlichen Vereinigungen exklusiv das gesamte Geld der Gesetzlichen Krankenversicherung an die Ärzte. Doch auch das ist vorbei: Einzelne Krankenkassen dürfen in eigener Regie Verträge mit Ärzten und Arztgruppen schließen, an den Kassenärztlichen Vereinigungen vorbei.
Und noch ein Dammbruch steht bevor: Die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigungen fällt 2011, so sieht es die jüngste Stufe der Gesundheitsreform vor. Dies wird der erste Schritt heraus aus der heutigen Niederlassungskontrolle hin zu einer normalen Berufsfreiheit. Auch deshalb wird bei Ärzten in Zukunft das Qualitätsmanagement immer wichtiger. Inzwischen weisen Ärzte die zufriedenen Patienten sogar aktiv auf Bewertungsmöglichkeiten im Internet hin und können so den Erfolg ihres Qualitätsmanagements online überprüfen. Internetportale wie Topmedic.de und lmedo.de bieten mittlerweile solche Arztbewertungen an. Dort empfehlen oder kritisieren Patienten anonym ihre Ärzte, verteilen Noten und Bewertungen.
Bewertungsportale fordern neue Sichtweisen
Gesammelte und geprüfte Informationen über fachliche Spezialisierungen der Mediziner sind in der Arztauskunft verzeichnet. Dort können Patienten nachschauen, welcher Arzt sich schwerpunktmäßig mit Migräne befasst oder welcher Zahnarzt sich auf Implantologie konzentriert. Dem fügt die Arztauskunft mit dem Arztprofil weitere Informationen hinzu, um eine Differenzierung zu der alleinigen Sicht der Nutzer zu bieten: Der Faktor „Patientenzufriedenheit" etwa wird aus den Bewertungen, die die User bei einer Reihe von Arztbewertungsportalen abgeben, ermittelt. Berücksichtigt werden dabei nur solche Portale, die mit hinreichenden Prüfprozeduren arbeiten und Datenschutzvorgaben einhalten. Zudem fragt das Portal zum Beispiel auch die medizinische Reputation ab: Dazu werden zyklisch alle Ärzte in Deutschland befragt.
Ob gesetzliche Rahmenbedingungen oder Bewertungsportale: Ärzte müssen sich darauf einstellen, dass sie sich künftig weiteren Aufgaben widmen müssen, die nicht den originären Bereich ihres Berufes betreffen. In Zukunft werden in Arztpraxen also nicht nur ärztliche Fähigkeiten, sondern auch Themen wie Marketing oder Qualitätsmanagement gefragt sein.
Autorin und inhaltlich verantwortlich für diesen Beitrag:
Redaktion New MedMarketing, New DentMarketing
Quelle: Aus der Schutzzone - Innovations Manager 01-2009












