Stiftung Gesundheit: moderne Kommunikation ist in der Arztpraxis noch immer nicht selbstverständlich

Viele Ärzte haben längst eine Praxis-Website, informieren sich im Internet und tauschen sich online mit Kollegen aus. Mediziner scheinen nicht weniger aufgeschlossen für neue Medien als der Rest der Bevölkerung. Eine Studie der Stiftung Gesundheit kommt aber auch zu dem Ergebnis, dass Ärzte teilweise bestimmte Entwicklungen in der modernen Kommunikation ignorieren - und damit Gefahr laufen, sich selbst abzukoppeln und letztlich politisch an Bedeutung zu verlieren.

"Eine Berufsgruppe, die sich in so hoher Zahl den fundamentalen Wandlungen der Kommunikation und der damit verbundenen Änderungen im Arzt-Patienten-Verhältnis in einem sich demografisch und sozial ändernden Land verschließt, wird letztlich von der Steuerung und Mitwirkung dieser Prozesse ausgeschlossen werden", mahnt die Stiftung im Fazit ihrer aktuellen Studie "Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit".

Basis für die Studie sind Antworten von insgesamt 1.131 Praxisinhabern. Diese ließen auch Rückschlüsse auf die Haltung zu neuen Kommunikationsformen zu. Insgesamt zeigt sich dabei eine konservative Haltung zu neuen Themen und Methoden.

Dies ließe sich an den Ergebnissen aus vier Bereichen belegen:


Fortbildung: 70 Prozent der Ärzte favorisieren demnach zur Fortbildung thematisch fokussierte Seminare vor Ort, 59 Prozent Kongresse von Fachgesellschaften. 63 Prozent bevorzugten Fachpublikationen und eigene Lektüre, nur 14 Prozent Online-Lehrgänge.

Arzt-Service-Portale: Mit Ausnahme des Marktführers und eines Wettbewerbers seien diese Portale vielen Ärzten noch nicht bekannt. Deutlich werde, dass ein Teil der Ärzte die Diskussion in solchen Portalen nur sehr oberflächlich verfolge und Namen nicht mit Programmen oder Inhalten verbinde. Die Mehrheit der Befragten gab zwar an, solche Portale zum Kontakt und Gedankenaustausch in geschlossenen Bereichen zu nutzen, die Intensität aber sei sehr unterschiedlich.

Arzt-Bewertungsportale: Zwei Drittel der Ärzte wüssten nicht, ob sie überhaupt bewertet wurden (zehn Prozent gaben an, noch nicht bewertet worden zu sein, 23 Prozent bejahten die Frage). Die Studienautoren gaben zu bedenken, dass Ärzte auch über das QM gehalten sind, sich für die Zufriedenheit ihrer Patienten zu interessieren.

Nur ein Drittel der Befragten wünsche sich, dass ein Dienstleister die Überwachung des "guten Namens" im Internet übernimmt. Für eine konsequente Steuerung des Angebots spreche sich nur eine Minderheit aus.

Call-Center-Medizin: Die von Kassen angebotene Beratung von Patienten per Telefon erzeuge bei Ärzten eine Abwehrhaltung. Die Autoren sehen darin ein Verkennen gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Entwicklungen und geben zu bedenken: "Die zukünftige demografische Entwicklung wird neue Formen der Versorgung erfordern, die nicht mehr allein durch das persönliche Gespräch beim Arzt beruhen können."

Quelle: zm-online