FroschPrinzip oder Einfluss nehmen?
Kennen Sie die Geschichte von dem kleinen Frosch Pit, der wegen seiner besonders weiten Sprünge von allen Teichbewohnern bewundert wurde? Er liebte es, am Teichufer zu liegen und auf die dicken leckeren Fliegen zu warten, die sich fast von alleine auf seine Zunge setzten. Eines Tages kam sein Kumpel Oskar zu ihm und berichtete, dass der Teich angefangen hat zu schrumpfen. Er konnte das nicht glauben. So beschloss Pit, es sich erst mal am Teichufer bequem zu machen, wie immer auf die leckeren Fliegen zu warten und dabei nachzudenken. Als Pit satt war, schlief er ein. Als er wieder aufwachte, waren das Wasser, seine Freunde und sogar die Fliegen weg. Sein Freund hatte Recht gehabt. Wo sollte er jetzt hin? Was sollte er tun?
Bezogen auf den physiotherapeutischen Gesundheitsmarkt verlassen sich viele Physiotherapeuten darauf, dass Patienten und Versicherte per Verordnung ihre Praxis aufsuchen. Patienten werden in erster Linie noch immer als Konsumenten von Krankheitsleistungen wahrgenommen und nicht als diejenigen, die den Verlauf Ihrer Krankheit und Ihrer Genesung mitbestimmen und produzieren können. Das gegenwärtige Versorgungssystem ist noch immer durch einen passiven Leistungsbezug für Patienten und passive Leistungsangebote von Physiotherapiepraxen geprägt. Nach Mauersberg (2009) ist eine Veränderung des Systems zu erwarten, in welchem tradierte Rollenmuster auf allen Seiten nach und nach überwunden werden.
Warten Sie nicht weiter ab, dass Patienten automatisch per Verordnung zu Ihnen in die Praxis kommen!
Gestalten Sie Ihre erfolgreiche Zukunft – und fangen Sie am besten gleich heute damit an. Denn der Gesundheitsmarkt ist der Zukunftsmarkt unserer Wirtschaft und befindet sich in einem stetigen Wandel.
Der Gesundheitsmarkt ist außerdem kein Markt wie andere Märkte!
Angebote, die die Gesundheit betreffen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie in höherem Maße existentiell, notwendig oder unverzichtbar sind bzw. dafür gehalten werden, als dies bei anderen Produkten oder Dienstleistungen der Fall ist. Verbraucher können verschiedene Rollen einnehmen: die des Patienten (Status Klient), des Versicherten (Mitgliedsstatus) oder des Kunden (Vertragspartner). Aufgrund der spezifischen Bedürftigkeit ist das Verhältnis zwischen Physiotherapeut und Patient durch eine mehr oder weniger große Abhängigkeit gekennzeichnet. Patienten haben Rechte, z.B. das Recht auf Partizipation bei der Entscheidung über therapeutische Maßnahmen. Als akut schwächerer Part können Patienten unter Umständen deren Umsetzung nicht erzwingen (Beispiel: pflegebedürfte Menschen). Versicherte können sozialgesetzlich festgeschriebene Ansprüche geltend machen und Kunden den Anbieter wechseln.
Darüber hinaus ist der erste Gesundheitsmarkt aufgrund der Finanzenknappheit von Staat und Krankenkassen von Wachstumsbeschränkungen bedroht. Übertragen auf die Froschmetapher besteht so die Gefahr, dass der Teich, der natürliche Lebensraum des Frosches Pit, immer kleiner wird. Pit kann aber viel mehr als nur im Wasser liegen und auf Fliegen warten. Er träumt von anderen Gewässern, in denen er sich neuen Herausforderungen stellen und sich neu behaupten kann. Übertragen auf den physiotherapeutischen Markt bedeutet dies, dass Physiotherapeuten mehr können, als die so genannte Kassenphysiotherapie! Viele Kolleginnen und Kollegen bieten bereits Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) an, die einen berechtigten und v.a. einen zunehmend bedeutsamen Platz im Spektrum ihrer Praxis einnehmen. Auf diesem zweiten Gesundheitsmarkt ist es derzeit vielen Patienten, die IGel-Leistungen in Anspruch nehmen, nicht klar, dass ihr Physiotherapeut die Rolle des Verkäufers mit unternehmerischen Interessen einnimmt. Die Kontroverse zwischen dem Berufsethos des Heilens und Helfens und marktwirtschaftlichen Interessen stößt bei vielen Physiotherapeuten auf Widerstand. Wie soll der so genannte Verkauf von privaten Gesundheitsleistungen mit dem Berufsethos des Physiotherapeuten vereint werden? Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, sich mit dem zweiten Gesundheitsmarkt zu befassen, um sich nicht von anderen Anbietern (wie Fitnessbetreiber) den Rang ablaufen zu lassen.
Autorin und inhaltlich verantwortlich für diesen Beitrag:
Franziska Bittner, MSc PH
Physio-Akademie gGmbH
Wremer Specken
27638 Wremen
Tel.: 0 47 05 - 95 18 22
Literatur: Mausberg, Susanne: Eigenverantwortung und wirtschaftliche Interessen.
In: Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin in Niedersachsen e.V. (Hrsg.). Eigenverantwortung und Partizipation – Neue Normen in der Gesundheitsförderung? Newsletter zur Gesundheitsförderung. impulse. Ausgabe 64. 3. Quartal, September 2009.












